Die eigene Bonität lässt sich nicht über Nacht verbessern, aber gezielt. Wer weiss, woraus sich der Score zusammensetzt und wo die eigenen Einträge stehen, kann in den meisten Fällen innerhalb weniger Monate spürbar etwas bewegen. Was dabei wirklich hilft und was nur Zeit kostet, zeigt dieser Ratgeber.
Grundlagen zu Kreditfähigkeit, Kreditwürdigkeit und Scoring haben wir bereits im Beitrag Die Bonitätsprüfung erklärt. Hier geht es um den nächsten Schritt: was Sie konkret tun können, um Ihre Bonität zu verbessern.
Zwei Register, zwei Baustellen
In der Schweiz fliessen in die Bonitätsbeurteilung vor allem zwei unabhängige Quellen ein, und beide lassen sich beeinflussen.
ZEK, IKO und CRIF: der Kredit-Score
Die Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) sammelt Daten aus Kredit- und Leasinggeschäften, die Informationsstelle für Konsumkredit (IKO) ist die gesetzlich vorgeschriebene Meldestelle für Konsumkredite nach dem Konsumkreditgesetz (KKG), und Auskunfteien wie CRIF führen zusätzlich einen breiteren Score, der auch Zahlungsverhalten ausserhalb reiner Kreditgeschäfte einbezieht.
Das Betreibungsregister: die zweite Bonitätsquelle
Unabhängig davon führt jede Gemeinde ein Betreibungsregister. Vermieter, Arbeitgeber, Versicherungen und Banken fragen es regelmässig ab, oft sogar häufiger als den Kredit-Score. Wer offene Betreibungen hat, merkt das nicht nur bei der nächsten Kreditanfrage, sondern schon bei der Wohnungssuche.
Schritt 1: Wissen, wo Sie stehen
Bevor sich etwas verbessern lässt, muss klar sein, was überhaupt gespeichert ist. Beide Register bieten dafür eine kostenlose oder kostengünstige Selbstauskunft an.
- ZEK-Selbstauskunft: Über das Antragsformular der ZEK lassen sich die gespeicherten Daten einsehen, die Bearbeitung dauert in der Regel zwei bis drei Werktage.
- Betreibungsregisterauszug: Erhältlich beim Betreibungsamt am Wohnsitz, persönlich oder online, üblich sind rund CHF 17 bis 20. Der Auszug zeigt Betreibungen der letzten fünf Jahre.
Wer einen Fehler entdeckt, wendet sich nicht an die ZEK selbst, sondern an das meldende Institut: Nur dieses kann die Korrektur veranlassen, die ZEK übernimmt sie danach automatisch.
Was Ihre Bonität tatsächlich verbessert
- Rechnungen und Kreditraten pünktlich zahlen. Das ist der grösste Hebel, weil Zahlungsverhalten direkt in den Score einfliesst.
- Bestehende Schulden aktiv reduzieren statt nur die Mindestraten zu bedienen. Weniger laufende Verpflichtungen verbessern die Kreditfähigkeit unmittelbar.
- Offene Betreibungen bereinigen. Ein Eintrag verschwindet, sobald die Schuld vollständig beglichen ist und der Gläubiger der Löschung zustimmt. Das Begleichen allein reicht nicht, die Zustimmung muss aktiv eingeholt werden.
- Nicht mehrere Kredite gleichzeitig anfragen. Abgelehnte Kreditanträge werden bei der ZEK mit Code 99 erfasst und bleiben zwei Jahre sichtbar.
- Stabile Verhältnisse zeigen. Ein längerer Wohnsitz und ein stabiles Arbeitsverhältnis wirken sich positiv aus, weil sie Planbarkeit signalisieren.
- Fehlerhafte Einträge korrigieren lassen. Kontaktieren Sie das meldende Institut mit Belegen, sobald Sie eine Unstimmigkeit in Ihrer Selbstauskunft finden.
Was Sie nicht beeinflussen können
Ehrlich gesagt: Manche Faktoren liegen ausserhalb Ihres Einflusses. Korrekte, aber ältere Einträge bleiben bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist gespeichert, meist fünf Jahre, unabhängig davon, wie gut Ihre Bonität heute ist. Eine vorzeitige Löschung ist nur bei nachweislich falschen Daten möglich, nicht bei unangenehmen, aber korrekten.
Wenn bereits eine Betreibung besteht
Ein bestehender Betreibungseintrag lässt sich entfernen, wenn die Schuld vollständig bezahlt ist und der Gläubiger der Löschung zustimmt. Das passiert nicht automatisch mit der Zahlung, sondern erfordert einen aktiven Schritt Ihrerseits gegenüber dem Betreibungsamt. Wer unsicher ist, ob eine Betreibung berechtigt war, kann sich zusätzlich an eine Konsumentenschutz- oder Schuldenberatungsstelle wenden, bevor er zahlt.
Checkliste für die nächsten Wochen
- Selbstauskunft bei der ZEK anfordern und auf Fehler prüfen.
- Betreibungsregisterauszug am Wohnsitz bestellen.
- Offene Betreibungen begleichen und die Löschung beim Gläubiger aktiv einfordern.
- Laufende Kreditraten und Rechnungen für die nächsten Monate konsequent pünktlich zahlen.
- Keine weiteren Kreditanfragen stellen, solange eine Entscheidung noch offen ist.
Fazit
Bonität verbessern heisst in der Schweiz vor allem: die eigenen Einträge in zwei unabhängigen Registern kennen und aktiv bereinigen, statt zu hoffen, dass sich die Zahlen von selbst normalisieren. Pünktlichkeit und eine bereinigte Betreibungshistorie wirken dabei zuverlässiger als jeder Trick.
Ist Ihre Bonität in Ordnung, lohnt sich der Vergleich der aktuellen Kreditkonditionen als nächster Schritt.





